Irgendwann zwischen dem dritten Meeting und der nächsten Deadline ist Mittagessen keine bewusste Entscheidung mehr – es ist das, was gerade greifbar ist. Ein Schokoriegel aus dem Automaten. Ein schnelles Sandwich vor dem Bildschirm. Oder gar nichts, bis der Hunger abends explodiert.
64 Prozent der Berufstätigen sagen, dass ihnen im Arbeitsalltag schlicht nicht genug Zeit bleibt, um sich gesund zu ernähren.¹ Rund ein Viertel hat regelmäßig keine Zeit für eine richtige Pause und isst nebenbei, im Stehen, zwischen zwei Calls.¹
Das ist keine Frage der Disziplin. Es ist eine Frage der Rahmenbedingungen. Hier können Unternehmen einen entscheidenden Unterschied machen.
Was Ernährung mit Produktivität zu tun hat
Die Antwort ist: sehr viel. Beschäftigte mit ungesunder Ernährung sind laut einer Studie der Brigham Young University bis zu 66 Prozent häufiger von Produktivitätsverlusten betroffen als jene, die sich ausgewogen ernähren.² Wer sich hingegen gesund ernährt, ist nachweislich um mindestens 34 Prozent produktiver.³
Das Gehirn ist das energiehungrigste Organ des Körpers. Es verbraucht rund 20 Prozent unseres gesamten Kalorienbedarfs, obwohl es nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht. Was wir essen, beeinflusst direkt, wie gut wir denken, entscheiden und uns konzentrieren können. Ein Blutzuckerabsturz nach einem kohlenhydratreichen Mittagessen ist keine Einbildung – er ist Physiologie.
Für Unternehmen bedeutet das: Wer in gesunde Ernährung am Arbeitsplatz investiert, investiert direkt in kognitive Leistungsfähigkeit, Entscheidungsqualität und Konzentration seiner Mitarbeiter:innen.
Warum der Obstkorb nicht reicht
Der Obstkorb ist ein Symbol. Ein gutes, gut gemeintes Symbol – aber eben nur das. Er löst das strukturelle Problem nicht: dass viele Mitarbeiter:innen im Arbeitsalltag gar nicht die Möglichkeit haben, sich bewusst und ausgewogen zu ernähren.
Echte betriebliche Ernährungsförderung ist mehr als ein Angebot. Sie ist ein Rahmen, der gesunde Entscheidungen zur einfachen Entscheidung macht. Nicht durch Verbote oder Ernährungsvorschriften, sondern durch clevere Gestaltung des Umfelds.
Was Unternehmen konkret tun können
Pausenkultur ernst nehmen Die wichtigste Maßnahme kostet nichts: eine echte Mittagspause ermöglichen, ohne schlechtes Gewissen, ohne Laptop, ohne Meetings. Wer in der Pause wirklich abschaltet und isst, kehrt mit mehr Energie und Konzentration zurück. Führungskräfte, die das vorleben, senden das stärkste Signal.
Gesunde Optionen sichtbar machen Das Prinzip der Verhältnisprävention: Nicht die schlechte Option verbieten, sondern die gute Option sichtbar und greifbar machen. Nüsse, Samen, frisches Obst und Gemüse als Snacks statt Süßigkeiten und Chips – nicht als Verbot, sondern als Standard. Was auf dem Tisch steht, wird gegessen.
Betriebsverpflegung als BGF-Baustein Das österreichische Sozialministerium hat Qualitätsstandards für gesundheitsfördernde Betriebsverpflegung entwickelt, von der Speisenplanung bis zur Zubereitung.⁴ Kantinen und Betriebsrestaurants, die frisch, saisonal und regional kochen, sind eine der wirkungsvollsten Maßnahmen im Bereich betriebliche Gesundheitsförderung. Wo keine Kantine möglich ist, schaffen Kooperationen mit lokalen Caterern oder Lieferservices Alternativen.
Ernährungswissen aufbauen Workshops zu Themen wie „Energie für den Arbeitstag" oder „gesunde Mahlzeiten in 15 Minuten" kommen in der Praxis gut an, weil sie dort ansetzen, wo Mitarbeiter:innen tatsächlich stehen: im Alltag, mit wenig Zeit, aber dem Wunsch nach einfachen Lösungen.⁵
Trinken nicht vergessen Dehydration ist einer der häufigsten und am meisten unterschätzten Leistungskiller im Büro. Bereits ein Flüssigkeitsverlust von einem bis zwei Prozent des Körpergewichts beeinträchtigt Konzentration und Reaktionsfähigkeit messbar. Wasserspender, Kräutertees und eine Kultur, in der Trinken selbstverständlich ist, kosten wenig und wirken viel.
Ernährung bei Meetings und Events
Gesundheitsförderung endet nicht am Schreibtisch. Wer Seminare, Workshops oder Team-Events veranstaltet, gestaltet auch dort die Ernährungssituation seiner Mitarbeiter:innen aktiv mit.
Ein klassisches Buffet mit weißem Brot, Aufschnitt und Keksen ist das Catering-Äquivalent zum Obstkorb im Büro. Wer stattdessen auf proteinreiche, ballaststoffreiche Kost setzt, mit regionalen Produkten, ausreichend Gemüse und klugem Timing, sorgt dafür, dass Teilnehmer:innen konzentriert bleiben, anstatt nach dem Mittagessen in ein kollektives Energietief zu fallen.
Dass das keine Theorie ist, hat die BIZ HEALTH 2025 gezeigt: Die Pletzer Resorts waren als Aussteller dabei und haben ihr Move & Relax-Konzept vorgestellt – eine ganzheitliche Gesundheitsphilosophie des Tiroler Familienunternehmens, die Bewegung und Erholung als untrennbare Einheit begreift. Patrick Koller zeigte in seinem Vortrag „Gesundheitsvorsorge 2.0", wie moderne Betriebe diesen Ansatz in den Unternehmensalltag integrieren können – weit über den Obstkorb hinaus. Die Pletzer Resorts sind auch bei der BIZ HEALTH 2026 wieder als Aussteller mit dabei.
Smarte Meeting- und Eventkonzepte denken Ernährung, Bewegung und Erholung gemeinsam. Das ist auch ein Thema der BIZ HEALTH am 24. September 2026 – der Fachmesse rund um Wellbeing im Business, bei der es um modernes Arbeiten und smarte Meeting- und Eventkonzepte geht.
Was als nächstes kommt
Ernährung, Licht, Ergonomie – diese Bausteine greifen ineinander. Im nächsten Beitrag schauen wir uns an, warum Longevity am Arbeitsplatz kein Zukunftsthema ist, sondern eines, das Unternehmen jetzt angehen müssen.
Alle Beiträge dieser Serie erscheinen regelmäßig hier im BIZ Blog. Zuletzt aktualisiert: Juni 2026.
Häufige Fragen zur Ernährung am Arbeitsplatz
Warum ist gesunde Ernährung am Arbeitsplatz so wichtig? Ernährung beeinflusst direkt die kognitive Leistungsfähigkeit, Konzentration und Energie. Beschäftigte mit ungesunder Ernährung sind bis zu 66 Prozent häufiger von Produktivitätsverlusten betroffen. Gleichzeitig bleibt 64 Prozent der Berufstätigen im Alltag keine Zeit für eine ausgewogene Mahlzeit – hier sind Unternehmen gefragt.
Was kann ein Unternehmen für gesunde Ernährung am Arbeitsplatz tun? Von einer echten Mittagspausenkultur über gesunde Snackangebote bis zu Betriebsverpflegung nach österreichischen Qualitätsstandards und Ernährungsworkshops. Entscheidend ist nicht eine einzelne Maßnahme, sondern ein Rahmen, der gesunde Entscheidungen einfach macht.
Reicht ein Obstkorb als betriebliche Gesundheitsförderung? Nein. Ein Obstkorb ist ein guter Anfang, aber kein struktureller Ansatz. Echte betriebliche Ernährungsförderung umfasst Pausenkultur, Verpflegungsangebote, Wissensaufbau und die Gestaltung des Arbeitsumfelds, sodass gesunde Ernährung zur einfachen, selbstverständlichen Wahl wird.
Gibt es in Österreich Standards für gesunde Betriebsverpflegung? Ja. Das österreichische Sozialministerium hat Qualitätsstandards für gesundheitsfördernde Verpflegung in Betrieben und Kantinen entwickelt. Sie decken Speisenplanung, Einkauf und Zubereitung ab und bieten eine praxisnahe Grundlage für Unternehmen, die ihr Verpflegungsangebot verbessern möchten.
Zählt Catering bei Events auch zur betrieblichen Ernährungsförderung? Absolut. Seminare, Workshops und Teamevents sind Orte, an denen Unternehmen aktiv Einfluss auf die Ernährungssituation ihrer Mitarbeiter:innen nehmen. Bewusstes, nährstoffreiches Catering hält Teilnehmer:innen konzentriert und leistungsfähig – ein einfach umsetzbarer Teil smarter Eventkonzepte.
Quellen ¹ Techniker Krankenkasse, Studie zur Ernährung im Berufsalltag, zit. nach senseble.de. senseble.de ² Brigham Young University, Health and Productivity Study, zit. nach hrm.de. hrm.de ³ Clockify, Statistiken zur Arbeitsplatzproduktivität 2025. clockify.me ⁴ Österreichisches Sozialministerium, Qualitätsstandard für die Verpflegung in Betrieben. sozialministerium.gv.at ⁵ fit-for-ever.com, Betriebliches Gesundheitsmanagement: Ernährung fördern. fit-for-ever.com