n.b.s Blog

Startups und junge Talente - ein sehr persönlicher Blogbeitrag

Startups und junge Talente sind in aller Munde. Auch wir haben unserer Erfahrungen mit ihnen und haben etwas dabei gelernt...

Ich glaub’s ja kaum. Seit 20 Jahren gibts die Firma n.b.s und es macht immer Spaß daran zu arbeiten, zu feilen, neue Ideen zu entwickeln und zu versuchen Marketing immer wieder neu zu erfinden. Während dieser Zeit haben wir immer mit jungen Firmen und jungen Mitarbeitern gearbeitet

Aber nun ist die Zeit der Startups und der junge Talente - aber ist der Hype nicht ein wenig übertrieben?

Früher haben wir zu Startups Jungunternehmer gesagt und das war nicht wirklich eine Auszeichnung.  Man war ziemlich lange Jungunternehmer. Es war die Zeit des Lernens, man bekam immer gute Chancen, aber man musste schon zeigen, dass man bereit ist, alles zu geben und dann noch ein bisschen mehr. Es war auch recht cool ein Jungunternehmer zu sein, aber diesen absoluten "Supercoolfaktor", den hatte der Jungunternehmer definitiv nicht, wie heute das Startup Unternehmen.

Es scheint zur Zeit fast zum guten Ton zu gehören, wenn man sagt: "wir arbeiten mit einem Startup zusammen". Wer mit Startups arbeitet hat nicht nur diesen jungen trendigen Touch, sondern auch den innovativen, den offen-toleranten und den sozialen, weil man jungen Menschen eine Chance gibt. Der junge "Startupler" weiß genau, wie er sich zu zeigen hat: Kapuzensweater, Jeans, Bart (wenn er männlich ist) oder schräge Kombis von den Schuhen bis zur Frisur, die anders sind und oft gar nicht gut zusammen passen und natürlich sozial und weltoffen.

Ob Mann oder Frau, die "Startupler" zeichnen sich auf jeden Fall durch ein unglaublich ausgeprägtes Selbstbewusstsein aus, welches das meiner Generation überragt. Warum, bitte schön? Warum ist das so? Ja, die Generation ist wirklich liebenswert, großartig, intelligent und tolerant, aber sie hat oft noch kein Monat Arbeitserfahrung. Zu Beginn faszinieren sie mich immer…und, ich komme aus einer Generation, die nie gelernt hat, wirklich stolz hinaus zu brüllen, was sie bis jetzt alles geschafft hat, zumindest wenn man eine Frau ist,….dann merke ich aber, dass diese "jungen Talente", wie sie so oft genannt werden, in Wahrheit nicht besser sind, als ich es in jungen Jahren war. Und…..DAS IST AUCH VÖLLIG IN ORDNUNG SO!!!

Wie sollen die jungen Talente die Unmöglichkeit überhaupt schaffen, ihre nach Erfolg lechzende Jugend kombiniert mit langjähriger Erfahrung anbieten zu können. Das wollten auch viele, als wir jung waren, ging auch damals nicht. Es macht lediglich einen unglaublichen Erwartungsdruck auf die Jugend, mehr nicht wirklich.

Es ist genau meine Generation, ich auch, die Schuld an dieser Entwicklung ist. WIR stehen nämlich gerade ein bisschen an, wir "Erfahrenen", wir Chefs. Wir, die wir nun unsere 20, 30 oder 40 Jahre nach einem überschaubaren und für uns verständlichen Konzept haben arbeiten können, wir erkennen die Ordnung, wie wir sie kannten, nicht mehr. Wir sind verwirrt, zumindest in dem Bereich, in dem ich arbeite, im Marketing. Wir laufen permanent neuen Entwicklungen nach, glauben, nur interessant bleiben zu können, wenn wir uns so schnell wie die Zeit verändern und alles aufsaugen, was es Neues gibt. Und davon gibt es ja wirklich genügend und täglich Neues, stündlich Neues, was wir zu lernen haben. Und genau da kommt nun die neue Generation ins Spiel. Der wollen wir nämlich insgeheim genau diese Problematik umhängen.

Daher heben wir sie auf einen imaginären Thron, ob sie ihn wollen oder nicht, ob sie ihn verdienen oder nicht und nennen sie nun "die jungen Talente". In Wahrheit sind das diejenigen, die einfach besser als der Durchschnitt sind, d.h. genau dieselben, die wir auch waren, als wir uns vor Jahren selbstständig gemacht oder in einer Firma eine gute Karriere gestartet haben. Aber die jungen Talente scheinen in manchen Bereichen unsere einzige Hoffnung zu sein. Wir hoffen, dass sie unsere Probleme rasch lösen, unsere Arbeit für uns machen, indem sie die Herausforderungen anders angehen und ihre Sache besser als wir machen und…uns die Taschen füllen.

Ist es so? Kann es unsere Generation einfach nicht lassen, ihre Gier zu stillen, obwohl wir schon so viel zerstört haben?

Ich glaube, das wird nicht so leicht funktionieren und wir müssen sehr gut Acht darauf geben, dass wir genau diese jungen Menschen, die wahrscheinlich die verwöhnteste Generation seit Menschengedenken ist, mit genau diesen großen Hoffnungen nicht zu schnell ausbrennen. Denn die Generation, deren Fan ich definitiv bin, ist lange nicht so robust, wie wir waren. Sie ist zwar gewöhnt, dass man aus Fehlern lernt, aber dafür keine großen Konsequenzen zu spüren hat. Sie ist gewohnt, dass man ihre Leistungen hochlobt und nur selten kritisiert, hier spreche ich natürlich von negativer Kritik. Sie ist gewohnt, dass man ihnen Probleme aus dem Weg räumt. Und sie sind natürlich gewohnt, dass man sie immer freundlich und höflich behandelt.

Ich muss sagen, ich bin immer höflich, freundlich, mir ist Respekt sehr sehr wichtig, aber ich kann diese ewige "Kuschlerei" oft  nicht mehr aushalten. Hier wird Respekt mit Angst vor Konfrontation verwechselt. Hier wird Respekt mit notwendiger Weiterentwicklung verwechselt. Wir versuchen sie mit allen Mitteln bei guter Laune zu halten, weil sie unsere Hoffnung sind, die uns vielleicht den Weg durch das neue Labyrinth zeigt, das wir uns selbst gebaut haben. Aber warum sollen uns unsere Kinder durch das von uns geschaffenen Chaos manövrieren. Es ist unser Job, Ihnen eine ordentliche Welt zu übergeben und nicht deren Job, uns den Weg zu einem gemütlichen Lebensabend zu ebnen. Wir sind offensichtlich eine "hinter mir die Sintflut" Generation und das ist nicht gut.

Für mich habe ich mit dem Schreiben dieses Blogeintrages beschlossen, die junge Generation noch mehr als bisher mit meinem ganzen Wissen und meiner Erfahrung tatkräftig zu unterstützen. Sie nicht zu überfordern aber laufend zu fordern, von ihr nicht zu viel aber das Bestmögliche täglich zu erwarten. Denn unsere Jungen werden in unserem Alter viel zu tun haben und darauf sollten sie optimal vorbereitet sein.